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Programm / Programm / 1 Politik und Gesellschaft / Politik
Programm / Programm / 1 Politik und Gesellschaft / Politik
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Als Deutschland im Juli 2020 für ein halbes Jahr die Ratspräsidentschaft der EU übernommen hat, war diese schon im Krisenmodus. Zu den bestehenden Herausforderungen wie Brexit, Klimaschutz, Migration, schwierige transatlantische Beziehungen, wirtschaftliche Expansion Chinas u.a. war noch die Corona-Pandemie gekommen. Die EU war wie nie zuvor auf die Probe gestellt. Was wurde zur Krisenbewältigung unternommen? Wie war es um die proklamierte Solidarität der Mitgliedstaaten bestellt? Welche Defizite haben sich gezeigt? Welche Fortschritte gab es bei den anderen Themen? Im Vortrag wird versucht, die aktuellen politischen Entwicklungen und Entscheidungen in der EU, besonders auch die Impulse der deutschen Ratspräsidentschaft einzuordnen und Perspektiven zu betrachten.
Der Referent besucht seit einigen Jahren Multiplikatoren-Seminare an der Europäischen Akademie Nordrhein-Westfalen. Dort werden mit Experten aus Wissenschaft und Politik aktuelle Themen europäischer Politik analysiert.

Plätze frei Onlinevortrag: Triumph und Trauma (211-10101)

ab Mo., 10.5., 19.00 Uhr
Dozent: Dr. Hans-Peter Biege

Genau vor 150 Jahren, am 10. Mai 1871, wurde in Frankfurt am Main der deutsch-französische Krieg beendet. Dieser Krieg hat Europa, Frankreich, Deutschland und auch Württemberg grundlegend verändert. In Frankreich etabliert sich die Republik mit der bislang längsten Lebensdauer, in Deutschland wird das kleindeutsche Reich als erster Nationalstaat auf deutschem Boden gegründet und Württemberg wendet sich endgültig von Österreich und Frankreich ab und Preußen zu. In Deutschland setzt ein enormer Innovations- und Wirtschaftsboom ein, finanziert mit fünf Milliarden Francs in 1450 Tonnen Feingold. In Frankreich wird das verlorene Elsass-Lothringen zum Stachel in der Brust der Nation und die Biberacher werden kleindeutsch-national und errichten auf dem Kapellenplatz ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I - bis dato galt der Preußenkönig in Württemberg als Volksfeind. - und am Horizont dräut der Erste Weltkrieg...
Die Darstellung spiegelt die unterschiedlichen Geschichtserzählungen in Deutschland und Frankreich wider (In Kooperation mit den "Freunden der französischen Sprache e. V.").

Dr. Antje Schrupp
Politikwissenschaftlerin und Journalistin

Früher wurden Kinder nur durch Geschlechtsverkehr gezeugt. Heute kann Technologie nachhelfen, um Sperma und Eizelle zu einem Embryo zu verschmelzen. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Männer, deren Sperma eigentlich unfruchtbar ist, können nun doch genetische Väter werden. Frauen können mit Embryonen schwanger sein, die von anderen gezeugt wurden. Eizellen und Sperma können gekauft und verkauft oder auch eingefroren werden. Sogar Gebärmuttertransplantationen gibt es bereits. In Deutschland sind solche Reproduktionstechnologien verboten – aber wie lange noch? Die Referentin Antje Schrupp lädt dazu ein, sich ein differenziertes Urteil zu bilden, das über ein simples „Pro und Contra“ hinausgeht. 

Dr. Phillip von Gall
Freier Berater und Lehrbeauftragter

Die Frage, was wir Tieren schulden und wie wir ihren Ansprüchen gerecht werden können, wird nicht nur ethisch, sondern auch politisch diskutiert. Tierschutz ist ein Staatsziel in Deutschland. Der Vortrag liefert einen Überblick über staatliche und internationale Institutionen, die den Schutz der Tiere in der landwirtschaftlichen Tierhaltung in Deutschland garantieren sollen. Dazu zählen das europäische Übereinkommen zum Schutz der Tiere in landwirtschaftlichen Tierhaltungen und das deutsche Tierschutzgesetz. Daneben wird der Vorschlag einer staatlich einberufenen Kommission vorgestellt, durch finanzielle Förderungen in den Stallbau „mehr Tierwohl“ – jenseits rechtlich verbindlicher Standards – umzusetzen.
Der Vortrag diskutiert die Stärken und die Schwachstellen der aktuellen Tierschutz-Politik in Deutschland. Dabei soll auch deutlich werden, wie Bürgerinnen und Bürger sich für einen besseren Schutz von Tieren in der Landwirtschaft einsetzen können.

Dr. Annette Weinke
Friedrich-Schiller Universität Jena

Entgegen einer weit verbreiteten, insbesondere in der Politikwissenschaft vertretenen Auffassung hat es der Bundesrepublik nie an politischen Mythen gemangelt. So haben der Zusammenbruch der DDR und die deutsch-deutsche Vereinigung das Aufblühen zahlreicher „Einheitsmythen“ begünstigt, deren zähes Nachleben sich heute vor allem im öffentlichen Raum und im politischen Meinungskampf bemerkbar machen. Das Eingangskapitel setzt sich mit deren Ursprüngen auseinander und fragt nach den Gründen für deren anhaltende Wirkmacht.

Dr. Ole Sparenberg
Department für Geschichte, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Die aktuelle Covid-19 Pandemie führt uns eindrucksvoll vor Augen, dass die menschliche Geschichte auch heute noch in gewissem Maße von Krankheitserregern geschrieben wird. Umgekehrt spiegeln allerdings auch das Auftreten und die Verbreitung von Epidemien menschliches Verhalten wider, wenn z. B. heute ein Erreger über den internationalen Flugverkehr in kürzester Zeit in alle Länder getragen wird.
Die Wechselwirkung zwischen menschlichen Gesellschaften und ihren Krankheitserregern hat selbstverständlich eine sehr lange Geschichte. Seuchen haben die Geschichte menschlicher Gesellschaften in hohem Maße geprägt, aber auch ihr Auftreten war weder Schicksal noch einfache Biologie, sondern wurde wiederum durch menschliche Verhaltensweisen wie Viehhaltung, Fernhandel und Eroberungszüge mitbestimmt. Dieses Webinar soll anhand von einzelnen Beispielen diese Beziehung in langfristiger Perspektive von der Neolithischen Revolution über die Große Pest im Mittelalter bis zur europäischen Eroberung Amerikas nach Kolumbus und darüber hinaus nachzeichnen.

Prof. Dr. Martin Visbeck
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Sprecher des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“

Der Ozean bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche und beherbergt das größte zusammenhängende Ökosystem unseres Planeten mit immensen – zum großen Teil noch unerforschten – Schätzen und biologischer Vielfalt. Wir Menschen leben seit Jahrtausenden mit dem Ozean, suchen seine Nähe und profitieren von seinen materiellen und immateriellen Leistungen: er stabilisiert das Klima, bringt Niederschläge, ist Transportweg, liefert Nahrung, Rohstoffe und Energie. Der Ozean formt Siedlungs- und Erholungsräume – 15 der 20 größten Megastädte liegen an der Küste. Die natürliche Schönheit des Küstenreliefs und der Blick auf den Ozean geben uns Inspiration und er ist Quelle von Mythen und prägt unterschiedliche Kulturen und deren Religionen weltweit.
Der Ozean beeinflusst unser Leben auf der Erde und die Zukunft der Menschen wird auch davon abhängen, wie wir mit ihm umgehen, denn der Ozean wandelt sich: Durch eine rasant wachsende und sich entwickelnde Weltbevölkerung mit steigendem Bedarf an Ressourcen, durch zunehmende Verschmutzung und den vom Menschen verursachten Klimawandel steigt der Druck auf den Ozean – er wird höher, wärmer und versauert. Schutz und Nutzung scheinen zunehmend aus dem Gleichgewicht zu laufen und bedürfen einer neuen Ausrichtung wie sie in den Nachhaltigkeitszielen der 2030 Agenda insbesondere im Ozean-Ziel (SDG 14) gefordert werden. Hoffnung macht das zunehmende Interesse am Ozean und seinen Küsten in politischen Dialogen und damit verbundene Schutzforderungen.
In seinem Vortrag spricht Martin Visbeck über die Verflechtung der Menschheit mit dem größten Ökosystem der Erde, das die Menschen lange Zeit für unerschöpflich hielten. Er gibt einen Überblick über den Stand der aktuellen Meeresforschung, Chancen und Risiken für das Weltmeer und Lösungsansätze für einen nachhaltigen Umgang mit dem Ökosystem und gerechte Nutzung der Meeresressourcen.

Dr. Amerigo Caruso
Universität Greifswald, Historisches Institut
Wenn infolge eines Krieges, einer Revolution, einer Naturkatastrophe oder einer Epidemie „Notstand“ herrscht, werden Routinen im politischen wie im sozialen Alltag gebrochen. Staatsinstitutionen müssen dabei dennoch handlungsfähig bleiben und sind auf ein glaubwürdiges Repertoire an Normen, Verfahren und Kommunikationsstrategien angewiesen. Erfolgreiches Krisenmanagement erfordert einen hohen Einsatz an Know-how und Ressourcen, was Politik und Verwaltung unter erheblichen Druck setzt. Die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit an den Staat ist hoch, Konflikte können sich jedoch leicht verschärfen, indem die Perspektive der Regierenden und der Regierten voneinander abweichen. Der Webvortrag analysiert wie unterschiedliche Herrschaftssysteme auf Notstände reagierten und ihre Regierungspraxis sowie Krisenkommunikation gestalteten. Als Fallbeispiele, um historische Ausnahmezustände näher zu beleuchten, dienen politisch-militärische Krisen zwischen dem Deutschen Krieg von 1866 und dem Zweiten Weltkrieg.

Dr. Thomas Greven
freie Universität Berlin

Die Präsidentschaft Donald Trumps wurde mit einigem Recht als Wendepunkt in der Entwicklung des modernen Populismus bezeichnet. Denn Trump nutzte in seiner Amtsausübung viele Strukturelemente, die nahezu deckungsgleich auch in anderen populistischen Parteien und Bewegungen zu finden waren. Ein zentrales Argument in der Agenda Trumps war dabei der drohende nationale Niedergang. Trump verband diese Behauptung mit einem Katalog populistischer Forderungen: Ablehnung von Zuwanderung mit einem besonderen Fokus auf islamisch geprägten Ländern, Widerstand gegen die etablierten politischen Strukturen sowie Kampf gegen die Mainstream-Medien. Das Webinar gibt einen Überblick über die Amtszeit Donald Trumps und greift die aktuellen politischen Entwicklungen in den USA mit auf.

Dr. Hendrik W. Ohnesorge
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Center for Global Studies
Der Aufstieg der Volksrepublik China trägt in entscheidendem Maße zu derzeit beobachtbaren globalen Machtverschiebungen bei. Beeindruckende Wachstumszahlen sowie weltumspannende Projekte Chinas wie die „Neue Seidenstraße“ belegen diese Entwicklung. Ausgehend von dem zentralen Faktor Macht in den internationalen Beziehungen, nimmt der Vortrag den Aufstieg Chinas und dessen Auswirkungen auf die bilateralen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika in den Blick. Während unterschiedliche Dimensionen der sino-amerikanischen „strategischen Rivalität“ identifiziert werden, findet das Projekt der „Neuen Seidenstraße“ besondere Berücksichtigung.



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