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Programm / Programm / 2 Kultur und Gestalten / Kunstvorträge
Programm / Programm / 2 Kultur und Gestalten / Kunstvorträge

Dr. Frauke Sonnabend
Freie Mitarbeiterin an den Staatlichen Museen zu Berlin
Im Jahr 1830 wurde mit dem heutigen Alten Museum das erste öffentliche Museum in Berlin eröffnet. In den folgenden Jahrzehnten entstanden in der direkten Umgebung zunächst das Neue Museum, dann die Alte Nationalgalerie und das Bodemuseum. Den Abschluss des heute als Museumsinsel bekannten Areals bildete 1930 das Pergamonmuseum. In diesem Webvortrag wird kompakt und anschaulich die spannende Geschichte der Gebäude und ihrer Sammlungen beschrieben. Die Museen, so zeigte sich von Anfang an, bedeuteten mehr als nur Kunst und Kultur, sondern waren immer auch geprägt von der großen Politik und von zeitgenössischen Strömungen.

Dominique Gauzin-Müller

Architektin und freie Publizistin, Ehrenprofessorin des UNESCO-Lehrstuhls "Lehmarchitektur, Baukultur und Nachhaltigkeit", Koordinatorin des FIBRA Awards, Autorin des Buches "Pflanzenfaserarchitektur heute" und Kuratorin der zugehörigen Wanderausstellung

Pflanzen sind erstaunliche Lebewesen. Als materielle Grundlage unserer Existenz und unserer Kultur sind sie schön und nützlich zugleich. Mit "grüner Architektur" und dem Einsatz von Pflanzenfasern erreichen wir nicht nur eine positive Ökobilanz, sondern auch haptische Qualität und eine Ästhetik, die den Menschen mit der Natur verbindet. In Europa werden schnell nachwachsende Rohstoffe wie Stroh und Hanf zur thermischen Sanierung bestehender Gebäude sowie zur Dämmung eingesetzt. In Ländern des Südens aber werden aus Bambus, Schilf und anderen Fasern - oft in Verbindung mit Lehm - komfortable Häuser zu erschwinglichen Preisen errichtet.
Der Einsatz von Baustoffen aus schnell wachsenden Pflanzen ist eine große Chance, unmittelbar viel CO2 einzuspeichern und damit dem Klimawandel entgegenzuwirken. Die in diesem Web-Vortrag vorgestellten biogenen Bauwerke (Wohnhäuser, Schulen, Gewerbebauten, Infrastrukturprojekte, etc.) sind Finalisten des FIBRA Awards, dem weltweit ersten Preis für zeitgenössische Pflanzenfaserarchitektur. Aus Bambus, Stroh, Schilf, Palmblättern, Rinde, Nordseegras oder sogar aus Pilzen und lebenden Pflanzen hergestellt, fördern diese inspirierenden Beispiele aus 45 Ländern die Verwendung der reichlich vorhandenen, natürlichen, kostengünstigen und in der Verarbeitung energiesparenden Materialien.

Plätze frei Onlinevortrag: Sigmar Polke (211-20403)

ab Di., 23.3., 19.00 Uhr

Dr. Alexandra Carmen Axtmann
Akademische Mitarbeiterin
Abteilung Forschungsdienste am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Der Vortrag gibt einen Einblick in das abwechslungsreiche Oeuvre Sigmar Polkes (1941-2010), der neben Gerhard Richter und Georg Baselitz zu den einflussreichsten deutschen gegenständlichen bzw. figurativen Malern der Nachkriegszeit gehört. Nach einer anfänglichen Glasmalerlehre begann Polke 1961 zeitgleich mit Gerhard Richter an der Düsseldorfer Kunstakademie sein Malereistudium, wo nach ersten Kunstaktionen unter dem Begriff "Kapitalistischer Realismus" eine Reihe von ironischen und witzigen Gemälden zum Thema Malerei und künstlerische Kreativität entstanden. Anschließend reflektierte Polke in seinen im Punkteraster gemalten Werken die Konsum- und Warenwelt des bundesdeutschen Wirtschaftsaufschwungs, das politische und gesellschaftliche Zeitgeschehen sowie die neuen sozialen Bewegungen und Subkulturen ab den 1970er Jahren. Dabei benutzte er mit großer Experimentierfreude eine Vielfalt an künstlerischen und nichtkünstlerischen Materialien wie Kugelschreiber, Kartoffeln, Polyesterstoffe, Acrylfarben, chemische Substanzen, Lacke, Natursteine, Bunsenbrenner und zuletzt auch Glas für die zwölf Fenster des Züricher Großmünsters.

Dr. Marian Wild
Freiberuflicher Kunsthistoriker, Diplomingenieur für Architektur, Dozent und Kurator

Die moderne und zeitgenössische Architektur Japans und ihre Baumeister gehören seit Jahrzehnten zur unbestrittenen Spitze der Welt. In kein anderes Land sind im 21. Jahrhundert mehr Pritzkerpreise gewandert, die renommierte Auszeichnung gilt als der "Nobelpreis der Architektur". Ganze Dynastien zeitgenössischer japanischer Architekt/innen verschiedener Denkschulen konkurrieren um den spektakulärsten, nachhaltigsten, ästhetisch
wegweisendsten Entwurf, gleichzeitig ist die ganze architektonische Landkarte und ihre innere Mechanik uns außerhalb Japans immer noch erstaunlich fremd. Der durchgehend bebilderte Webvortrag gibt einen Einblick in die Entwicklung dieses sensationellen architektonischen Kosmos, von den modernen Wurzeln eines Kenzo Tange über die Metabolisten und Traditionalisten, die externen Vorbilder sowie geniale Autodidakten wie Tadao Ando. Und er wird natürlich die Frage beantworten, wer die "Weißen" und die "Roten" sind.

Dr. Dorothee Entrup
Museum Barberini Potsdam

Turban, Teppich, Tulpe - immer wieder haben Rembrandt und seine Zeitgenossen Gegenstände aus fernen Ländern gemalt. Ihre Kunstwerke sind Zeugnisse der ersten Globalisierung und zeigen den Einfluss fremder Kulturen in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts. Wissensdurst, Sammellust und Besitzerstolz haben diese kunstgeschichtlich bedeutende Epoche geprägt und die Maler zu neuartigen Historienszenen, Portraits und Stillleben inspiriert. Die Kehrseite dieser Weltaneignung wie Sklaverei, Handelskriege und die Verluste eigener Seeleute wurde dagegen nicht dargestellt. Im Rahmen der heutigen Debatte um Kolonialismus thematisiert die Ausstellung die damaligen Bilder des Fremden und das Machtgefälle zwischen den Kulturen. Anhand von über 100 Kunstwerken bietet die Schau die Möglichkeit, diesen bis heute andauernden Eurozentrismus zu hinterfragen.

Prof. Dr. Michael Lüthy
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart

Unübersichtlich viele künstlerische Strömungen seit den 1960er Jahren und bis in die Gegenwart berufen sich auf den französisch-amerikanischen Künstler Marcel Duchamp (1887-1968), wenn es um die Legitimation ihrer eigenen Verfahren geht. Eine besondere Rolle spielen hierbei Duchamps "Readymades" - kaum oder gar nicht veränderte Alltagsgegenstände -, die zu Gründungswerken der Konzeptkunst stilisiert werden. Es gilt aber auch für neuartige Verbindungen zwischen Kunst und Wissenschaft, für die Duchamps Auseinandersetzung mit der vierdimensionalen Geometrie wegweisend war, oder auch für die jüngere Kunstbewegung der "Institutional critique" - als einer Kunstform, die nicht einzelne Kunstwerke hervorbringen will, sondern die Funktionsweise des Kunstsystems aufzudecken versucht.
Inwieweit diese vielfältigen Bezugnahmen auf Duchamp gerechtfertigt sind, lässt sich nur aufgrund einer genaueren Kenntnis von Duchamps Werken abschätzen. Im Vortrag werden daher Duchamps Hauptwerke vorgestellt und analysiert. Damit geht der Web-Vortrag sozusagen rückwärts: von der umfassenden Wirkung von Duchamps Kunst zurück zu den einzelnen Werken.